Gäste besuchen das Gießener Stadttheater

Wetzlar/Gießen. Die Kernaufgabe des KulturTickets Lahn-Dill ist die Vermittlung von gespendeten Freikarten für kulturelle Veranstaltungen an Menschen mit geringem Einkommen. Am vergangenen Sonntag konnte der Verein 13 Kindern und Erwachsenen ein besonderes Ereignis bieten. Ein Theaterstück im taT mit anschließender Führung durch das Innenleben des Stadttheaters.

 

Gleich schon lernten die Teilnehmer: Auch Schauspieler können krank werden. Darum fiel die Aufführung „Raus aus dem Haus“ leider an diesem Morgen aus. Also gab es ein unterhaltsames Ersatzprogramm.

Abduhl Kunze führte die Gruppe des KulturTickets treppauf, treppab durch das Gießener Stadttheater. In der Maske erfuhren die Teilnehmer, dass eine Perücke aus etwa 12.000 echten Haaren in zwei Wochen geknüpft wird. Auf der Bühne lernten sie, was eine Drehscheibe ist und wie sich die Schauspieler verbeugen, und im Malsaal sahen sie sich eine Miniatur-Kulisse an, die als Vorlage für die Bühnenbauer dient. Besonders spannend war die Kammer, die Requisiten enthielt. Mit nicht viel mehr als einem Barbie-Pferd, einem alten Wecker, etwas Spitze aus der Schneiderei sowie Farbe waren für ein Theaterstück eine „wertvolle“ Skulptur hergestellt worden. „Wir bilden die Wirklichkeit ab, nicht die Realität“, sagte Kunze.

Die besten Plätze seien in der 6. Und 7. Reihe in der Mitte, sagte Kunze. Vor der Wiedereröffnung 1947 habe es auch billige Stehplätze ganz oben im 2. Rang gegeben.

„Theater ist so alt wie die Kultur Europas, mehr als 2.500 Jahre“, erklärte Kunze seinen Gästen. Das Gießener Stadttheater wurde 1907 erbaut, als noch kein männliches Wesen ohne Kopfbedeckung auf die Straße ging und nur „Mannsweiber“ Hosen trugen. In Folge der industriellen Revolution wollte das Bürgertum nicht mehr länger der herrschenden Klasse allein die Kultur überlassen. Aus Tradition und wegen des Grundgesetzes hätten alle Menschen in Deutschland heute einen freien Zugang zu Bildung und Kultur, berichtete Kunze.

„Die erste Tour des KulturTickets Lahn-Dill war ein prima Auftakt“, urteilte die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Christine Krauskopf, und versprach: „Weitere Ausflüge werden folgen.“